von Janek Rauhe
Mindestens einer von zehn Kommilitonen ist schwul. Genauso viele lesbische Studentinnen gibt es an der Uni. Der Campus ist schwuler und lesbischer, als man auf den ersten Blick denkt. Es gibt viele schwul-lesbische Veranstaltungen, Partys und Treffpunkte. Man muss nur genau hinschauen, dann entdeckt man diesen anderen Campus, diesen „rosa“ Campus.
Jeden zweiten und vierten Freitag im Monat findet die schwul-lesbische „Warm ins Wochenende“-Party im QKaff statt. Dort tanzen regelmäßig knapp 500 Schwule und Lesben. Die Organisatoren hinter der Party sind die Referenten des Schwulenreferats im Allgemeinen Studierenden Ausschuss (AStA). Axel Müller, 23, ist einer von ihnen. Er ist seit November vergangen Jahres Referent: „Wir Referenten wollen schwules Leben und schwule Kultur an der Uni sichtbar machen – auch mit schwulen Partys“. Aber nicht nur Partys bietet das Schwulenreferat an, sondern auch eine schwule Biblio- und Videothek sowie Vorträge zum Thema Homosexualität. Im letzten Semester wurde mit Experten aus der Wirtschaft über das Coming Out am Arbeitsplatz diskutiert. Dieses Semester steht ein Vortrag über Männergesundheit auf dem Programm. Mit den Vorträgen wollen die Referenten nicht nur homosexuelles Publikum ansprechen. Abschotten wolle man sich „auf keinen Fall“.
„Wir sind die Anlaufstelle für schwule Studenten – das ist wohl unsere wichtigste Funktion“, meint Axel. Und gerade Studenten, die nicht aus der Region Mainz kommen, finden im Referat die Möglichkeit Anschluss an die schwule Szene in Mainz zu bekommen. Deshalb veranstaltet das Referat jedes Semester „eine schwul-lesbische Stadttour“ durch Mainz und hat den schwulen Stadtführer „Scout! – queer durch Mainz und Wiesbaden“ herausgebracht. „So hat jeder schwule Student einen Überblick über das schwule Leben hier“, meint Axel stolz.
Das Referat soll schwule Studenten in allen Lebensbereichen beraten. Vor allem die Coming Out-Beratung war in den letzten Jahren die zentralste Aufgabe. Heute hat sich das gewandelt: „Wir machen kaum noch Coming Out-Beratungen, auch wenn wir sie immer noch anbieten. Fast alle, die zu uns kommen, sind bereits seit der Schulzeit geoutet“. Eine Entwicklung die Axel auf die veränderte Gesellschaft zurückführt. Homosexualität sei gesellschaftlich immer stärker akzeptiert. Und weil sich die Gesellschaft verändert habe, wollen die Referenten „eher eine schwule Community an der Uni bieten“. Darum treffen sich jeden Mittwochabend Schwule im AStA und gehen anschließend gemeinsam weg. Jetzt im Sommer bietet das Referat einen Ausflug zum Christopher Street Day im Phantasialand – den Fantasypride – an. Der „rosa“ Campus hat für einen schwulen Mann in Mainz einiges zu bieten – vor allem durch das Schwulenreferat.
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