Zum ersten Mal hat sich am vergangenen Wochenende das Kinderprogramm der Universität Mainz auf Reise begeben. Auf der Landesgartenschau in Bingen konnten sich besonders die Gäste im Grundschulalter über „Erde, Wasser, Luft und Feuer – Chemie in der Natur“ informieren. Dr. Heike Funk, Dr. Christa Welschof und Andi Höfler führten durch die Vorlesung, in der mit anschaulichen Experimenten an Chemie im Alltag herangeführt wurde.
Trotz kurzfristiger Raumänderung finden sich gut 200 Kinder im Rheintal Kongress Zentrum ein, viele von ihnen kennen die KinderUni bereits von früheren Veranstaltungen. „Sonst ist das noch cooler, da sitzt man im richtigen Hörsaal mit Tischen und so“, weiß eine junge Besucherin zu berichten. Die Eltern sind übrigens auf die hinteren Ränge verbannt, dennoch wollen sich viele von ihnen die Vorlesung nicht entgehen lassen. „Da lernt man immer noch selbst etwas dazu“, sagt ein Vater, der mit seinen drei Kindern extra für die Kinderuni zur Landesgartenschau gekommen ist.
Anhand von Alltagsgegenständen werden den Kindern physikalische und chemische Prozesse vorgeführt.
So zeigt sich, dass man mit einer schockgefrorenen Banane Nägel einschlagen kann, wie man buntes Feuer macht und wie sich – begleitet vom Gelächter der kleinen Gäste – die Stimme der strengen Professorin in die von Mickey Mouse verwandelt.
Das liege daran, dass in dem Helium, das sie zuvor eingeatmet hat, eine höhere Schallgeschwindigkeit herrsche als in unserer Atemluft und darum ihre Stimmbänder mit einer höheren Frequenz schwingen können, erklärt sie den staunenden Kindern. Durch die schnellere Schwingung ergebe sich dann die höhere Stimme. Klingt logisch.
Hier horcht aber vielleicht der ein oder andere in den hinteren Reihen auf und erinnert sich dunkel an seinen eigenen Physikunterricht. Stimmt denn das so?
Gleich zuhause mal nachgeschlagen stellt sich heraus, dass diese Erklärung doch etwas zu simpel ist.
Das Geräusch, das die Stimmbänder erzeugen, ist zunächst nur eine Art Schnarren, der so genannte Primärschall. Erst durch die Lage der Resonanzfrequenzen im Mundraum entsteht die Stimme, wie wir sie hören. Diese Resonanzen hängen auch von der Schallgeschwindigkeit ab, welche in Helium tatsächlich höher ist als in gewöhnlicher Atemluft. Daher erscheint uns die Stimme insgesamt höher, obwohl sich der Primärschall in diesem Vorgang überhaupt nicht verändert. Wer es ganz genau wissen will, kann versuchen, eine Flöte und eine Ukulele in einem mit Helium gefüllten Raum zu spielen – die Flöte klingt dort höher, weil sich der Ton in ihrem Innenraum bildet, so wie unsere Stimme im Mundraum. Die Tonhöhe der Ukulele bleibt hingegen gleich, da der Klang durch die Schwingung der Saiten selbst erzeugt und der Hohlraum nur als Verstärker dient.
Es lässt sich darüber streiten, ob solche Detailgenauigkeit für eine Veranstaltung wie die KinderUni überhaupt nötig ist, da ja vor allem die Freude an wissenschaftlichen Themen geweckt werden soll. Andererseits merkt die Dozentin während der Vorlesung selbst an, dass man Kinder nicht unterschätzen darf und diese z.B. mit komplizierten Fachbegriffen oft weniger Probleme haben als Erwachsene. Dass viele der Vorlesung sehr aufmerksam folgen, zeigt schon die große Zahl an Wortmeldungen, über die sich so mancher Universitätsprofessor sicher auch in seinen Vorlesungen freuen würde. Es ist also schon deshalb ratsam, bei der KinderUni so nah wie möglich an den Tatsachen zu bleiben, damit man eine befriedigende Antwort auf die Lieblingsfrage der Besucher geben kann: „Warum“?
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