„Web first“ hallt es seit Anfang 2007 durch die Hallen des Axel Springer-Verlags. Und wieder einmal preist uns die „Welt“ eine Revolution an. Nachdem seit 2004 die „Welt kompakt“ im Tabloid-Format erscheint, ist das ein weiterer Schachzug des Verlagshauses Leser an sich zu binden. Klingt neu, ist es streng genommen aber nicht. Bereits 2005 schwappte diese Devise aus Amerika über den großen Teich nach Großbritannien über. Jedoch muss man eingestehen, dass dieses Motto für den phlegmatischen deutschen Pressemarkt auch über ein Jahr später noch keine Selbstverständlichkeit geworden ist. Verständlicherweise, denn durch die vorzeitige Veröffentlichung der Inhalte im Internet würde man die Auflagenschwäche der Printausgaben nicht entgegenwirken. Im Gegenteil. Aber Revolutionen fordern nun mal Opfer.
Dabei ist Online-Journalismus eine logische Konsequenz aus dem Verhalten der jungen Generation. Das Internet ist das Informationsportal unseres Zeitalters. Hier kann der Journalist die strengen Fesseln des sterilen Schreibstils, des Platzeinhaltens und des absoluten Redaktionsschlusses ablegen. Ein „unkonventioneller“ Stil, wie Herr Mayer, Leiter des Seminars „Lehrredaktion Online“, diese „neumodischen“ Artikel nennt, gilt hier nicht weiter als freundlich ausgedrückte Abwertung des eigenen Schreibstils. Gerade das, neben neuen Möglichkeiten der Illustration durch Videos und Bilder, lockt die junge Leserschaft auf die Internetportale der Zeitungen. Es ist also nur logisch die Internetaffinität der Zielgruppe für sich zu nutzen.
Doch wo viel Licht, da auch viel Schatten. Die abgelegten Fesseln können auch zu einer Bequemlichkeit des Journalisten führen. Unter anderem wegen dem neuerlichen Druck die Nachrichten als erster auf der Website zu präsentieren, erscheint eine Abart der journalistischen Praxis um sich zu greifen: der „Copy & Paste“ – Journalismus. So können Agenturmitteilungen oder Informationen aus anderen Internetquellen mit wenigen Mausklicks in das eigene Nachrichtenrepertoire übernommen werden. Schlimm wird die Sache erst dadurch, wenn die publizierten Themen dabei ohne kritisches Hinterfragen und eigener Recherche gutmütig übernommen werden. „Na und?“, denkt sich der findige Autor. Falls sich die Story im Laufe des Tages als falsch herausstellen sollte, füge ich noch das Dementi der Agentur dem Artikel bei oder ich ändere ihn so lange, bis er richtig ist.
Ah ja. Im Grunde kann man dieser Methode etwas Gutes abgewinnen – unter dem Strich steht ein Artikel mit richtigem Inhalt (oder passendem Dementi) auf der Seite. Dass diese Arbeitspraxis aber zu einem Vertrauensverlust der Leserschaft führt, sollte sich jeder vor Augen halten. Gerade im Online-Journalismus, denn da ist die Konkurrenz nur einen Mausklick entfernt.