Journalismus 2.0
Von Janek Rauhe
Vor 15 Jahren erblickte das Internet das Licht der Welt. In Genf, in der Schweiz. Am internationalen Forschungszentrum CERN hatten es Forscher geschafft, mehrere Computer auch für Laien einfach miteinander zu vernetzen. Heute ist das Internet aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Mit dem Internet kamen neue Worte. Vor 15 Jahren hätte niemand gewusst, was googlen, gruscheln oder gmx bedeutet. Genauso wenig hätte jemand gewusst, was ein Onlinejournalist ist.
Heute weiß man mehr: Ein Onlinejournalist ist ein Alleskönner. Er muss Artikel schreiben, genauso wie seine Kollegen von den Zeitungen. Er muss Berichte einsprechen, genauso wie seine Kollegen im Radio. Er muss Filmbeiträge machen, genauso wie seine Kollegen im Fernsehen - einzig gut aussehen, muss er nicht. Das müssen nur die TV-Kollegen. Wenn jemand alles kann, heißt das nicht unbedingt, dass auch alles gut ist. Es ist wie beim Imbiss von nebenan: Wer Döner, Currywurst und Pizza gleichzeitig anbietet, kann nicht alles gleich gut kochen. Genauso ist nicht zu erwarten, dass ein Journalist in allen Bereichen wirklich gut ist. Trotzdem muss er in allen Medienarten brillieren. Eine Herausforderung für den einzelnen Journalisten, aber vielleicht auch eine Gefahr für die Qualität.
Vor wenigen Jahren wurden die Onlineausgaben von Zeitungen und Zeitschriften noch stiefmütterlich behandelt. Meist wurden einfach nur Artikel aus der Printausgabe online gestellt - mit zeitlicher Verzögerung. Die Verleger misstrauten dem neuem Medium eher; sahen es als unliebsame Konkurrenz, als dass sie es als Chance betrachteten.
Heute legen immer mehr Verlagshäuser sehr viel Wert auf ihren Onlineauftritt. SPIEGEL ONLINE, waz.de oder STERN.DE sind hier nur einige Paradebeispiele. Neben der Zweitverwertung von Artikeln aus der Printausgabe ermöglicht die Internetausgabe besondere Chancen - für den Verlag und den Journalisten. Der Verlag kann (theoretisch) neue Geschäftsfelder erschließen, der Journalist kann viel stärker mit seinen Lesern interagieren. Die Leser können dem Journalisten prompt schreiben, was sie von seinem Artikel halten. Außerdem kann der Journalist seine eigenen Texte permanent aktuell halten. Printjournalisten haben diese Möglichkeit nicht. Sie schreiben ihre Artikel am Vortrag. Am nächsten Morgen kann der Text schon nicht mehr aktuell sein. Die ganze Mühe war umsonst.
Der Onlinejournalist muss zwar viel können, gleichzeitig hat er ganz andere Möglichkeiten im Vergleich zu seinen Kollegen. Auch weil der Onlinejournalismus noch in den Kinderschuhen steckt. Der heutige Onlinejournalist ist immer noch ein bisschen Pionier. Wie die Fernsehjournalisten in den 50er Jahren. Das ist doch ziemlich spannend!
Schlagworte: Onlinejournalismus