Der geographische Journalist?

Der Journalismus in unserer heutigen Welt hält als eine der wenigen Tätigkeiten die Möglichkeit bereit, der Welt selbst einen Spiegel vorzuhalten. Die gesellschaftliche Fremdbetrachtung „von außen“, die diese Tätigkeit aufweist, sehe ich als einflussreich und notwendig an. Der Journalist versucht Verdecktes aufzudecken, Verzerrtes zu entzerren. In der globalisierten, technisierte und beschleunigten Welt von heute, in der alles miteinander verwoben scheint, ist wirklicher Durchblick manchmal schwer zu erlangen. Die Eigenschaft, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden und zu benennen, übt deshalb einen gewissen Reiz aus.

Der renommierte Publizist Siegfried Weischenberg erklärte kürzlich in einem Interview für SPIEGEL-Online die „ungebrochene Anziehungskraft“, die die Medienwelt im Allgemeinen und der Journalismus im Speziellen aufweise: Diese sei unter anderem auf den Zusammenhang zwischen „Abenteuer und Freiheit“ zurückzuführen. Man muss ihm diesbezüglich Recht geben: Das Image des erfolgreichen Journalisten, welches auf seine Umwelt wirkt, weist durchaus in diese Richtung. Die berufseigene Souveränität, sofern sie nicht allzu beschnitten ist durch redaktionelle Vorgaben, informelle Zwänge oder aufgezwungene Einseitigkeit, ist attraktiv - und der Beruf des Journalisten deshalb reizvoll (oder interessant?).

Allerdings ist es nicht unbedingt die klassische Art von Journalismus, die mich anzieht. Aufgrund meines Hauptinteresses, der Geographie, ist die Kombination beider Fachgebiete ein berufliches Ziel. Es lässt sich an dieser Stelle sicherlich die Frage stellen, inwiefern dies möglich und sinnvoll ist. Alles in allem, erscheint die Kombination möglich, betrachtet man den thematisch breitgefächerten und interdisziplinären Charakter der beiden Fachrichtungen. Natürlich kann man fragen, ob diese Kombination sinnvoll und möglich ist. Zumindest die Möglichkeit läßt sich leicht beantworten: beide Fachrichtungen sind breit gefächert und weisen interdisziplinären Charakter auf. Und wenn die Frage nach dem Sinn in der Vergangenheit immer beantwortet worden wäre, so wäre die Welt heute um den einen oder anderen Publizisten ärmer.

Aber trotzdem: Allgemein ausgedrückt stellt die zentrale Funktion des Journalisten das populistische Beschreiben von Sachverhalten jedweder Art dar. Der Geograph hat eine ähnliche Funktion inne: Ob populistisch oder nicht, er beschreibt den Raum und verfügt dabei über andere Herangehensweisen und Perspektiven. Insofern ist die Kombination nicht nur möglich, sondern vor allem auch sinnvoll.

Man denke in diesem Zusammenhang an die Flut journalistischer Beiträge in den letzten Jahren, die sich inhaltlich mit Themen wie dem Klimawandel, der gesellschaftlichen Entwicklung zu einem ökologischeren Bewusstsein oder auch geopolitischen Fragestellungen befassen. Es lässt sich also eine eindeutige Zunahme geographischer Ansätze feststellen, ein Trend, der eine günstige Ausgangsposition für jene Fächerkombination schafft und synergetisches Potential aufzeigt.

Denke ich an meinen zukünftigen Beruf, so könnte diese in Form eines selbstständigen Journalisten mit Auftraggebern wie der GEO, dem National Geographic bzw. Verlagen wie Dumont, Lonely Planet oder Reise-Know-How bestehen. Auf einer souveränen Basis die Erde mit unterschiedlichen Blickrichtungen beschreiben und damit „Licht ins Dunkle“ bringen erscheint mir als eine besonders ansprechende Tätigkeit.

Von Benjamin Kashlan

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