Über die Grenzen eines Autors hinaus - Der Job eines Online-Journalisten hat es in sich
Was einst noch unerlässlich war, um qualifiziert in das Berufsfeld eines Online-Journalisten einzusteigen, ist heute schon wieder Schnee von gestern: Früher waren fundierte Kenntnisse in HTML ein absolutes Muss - jetzt dagegen ist es viel wichtiger, den Umgang mit Content Management Systems zu beherrschen. Diese geben dem Journalisten den Freiraum, sich gezielt auf die Ausarbeitung seiner Beiträge zu konzentrieren, anstatt an der eigenen Sprache von HTML zu verzweifeln. Diese Entwicklung spiegelt gerade das wider, was das noch recht junge Berufsbild des Online-Journalismus im Grunde ausmacht: ein kontinuierlicher Wandel.
Webblogs, Podcasts & Co. – der Online-Journalist erlebt hautnah, wie neue Kommunikationsformen aufkommen und im Internet verbreitet werden. Das bedeutet zugleich, dass er sich damit auseinandersetzen muss, damit er diese neuen Wege der Informationsvermittlung für seine eigene journalistische Arbeit einsetzen kann. Über das Internet werden zudem tägliche Veränderungen schneller kommuniziert und begünstigen damit wiederum das Neue.
Auch das Rollenbild eines Online-Journalisten hat sich seit seinen Anfängen entscheidend weiterentwickelt. Heute wird einem Online-Redakteur viel mehr abverlangt als früher: Er muss nicht mehr nur Schreiben, sondern auch Gestalten. Was in Verlagshäusern großer Zeitungen im Schema der Arbeitsteilung zur klassischen Aufgabe eines Layouters gehört, übernimmt der Online-Journalist selbst. Er ist verantwortlich für die grafische Ausgestaltung seines Artikels. Sogar das Bearbeiten und Editieren von Fotos oder das Schneiden von Filmbeiträgen kann in den Aufgabenbereich eines Online-Journalisten fallen. Egal ob es um die Gestaltung von Text-, Bild-, Ton- oder Filmmaterial geht, die Aufbereitung liegt meist in der Hand eines Einzelnen.
Der Übergang vom Einzelwerk zur Interaktion mit anderen Internetnutzern erfolgt dann in der Kommentierung der Artikel, Bilder, Filme oder Tonaufnahmen. Nicht in allen Bereichen des Online-Journalismus steht solch ein Feedback auf der Tagesordnung. Doch zumindest lässt sich festhalten, dass der Vernetzung zwischen Journalisten und ihren Rezipienten online kaum Grenzen gesetzt sind.
In Abgrenzung zu anderen journalistischen Genres ist der Online-Journalismus die jüngste Entwicklung. Er steht nicht in Konkurrenz zum Hörfunkjournalismus - denn das Internet ist kein „Nebenbei-Medium“. Pragmatisch gesehen, haben Online-Journalisten mehr Platz für ihre Beiträge als ihre Kollegen bei Zeitungen oder Zeitschriften. Sie können bei bestimmten Themen in die Tiefe gehen, da sie nicht an die oberflächliche und kurze Präsentationsweise, wie sie im Fernsehen vorliegt, gehalten sind.
Was bedeutet das nun für den Online-Journalismus? Ein Beruf für freiheitsliebende Multitalente! Den beinahe grenzenlosen Möglichkeiten für die Ausgestaltung der eigenen Beiträge tritt ein hoher Maßstab gegenüber: Online-Journalisten müssen viel beherrschen – egal ob als Autoren, Fotografen, Filmemacher, Grafikdesigner oder Editoren – und sich fortwährend an neuen Darstellungsformen ihrer journalistischen Arbeit messen. Denn das Internet wird sich weiter wandeln. Wer dem gewachsen ist: Hut ab!
Schlagworte: Online-Journalismus, simonejaeger