Sprungbrett Lokaljournalismus
Wie eine 23-jährige Publizistik-Studentin auf die Idee kam Journalistin zu werden
“Wollen Sie nicht lieber gleich als freie Mitarbeiterin bei uns einsteigen?” Eigentlich wollte ich nur ein Praktikum bei der Offenbach Post machen, als mich mein Chef vor drei Jahren mit dieser Frage überrumpelte. Aus den ersten kläglichen Anfängerversuchen nach dem Motto “learning by doing” wurde daraus ein Studentenjob in einer Lokalredaktion, bei dem ich nicht nur interessante Menschen kennen lerne, sondern auch Zutritt zu manchen Bereichen habe, die den meisten verschlossen bleiben. So kletterte ich im Schutzanzug durch Kanalöffnungen in Wasser-Rückhaltebecken, begleitete männliche Kindergärtner bei ihrer täglichen Arbeit und verdichtete bei einem Hörfunk-Praktikum auch schon mal zwei Stunden Tonmaterial zu einem Drei-Minuten-Beitrag über ein Hamburger Vogelschutzgebiet.
Auch wenn ich zwischenzeitlich Praktika im Verlagswesen, im Bereich PR oder im Goethe-Institut gemacht habe – immer wieder zog es mich zurück in den Journalismus. Anstatt Journalisten bei mitorganisierten Pressekonferenzen darum zu beneiden, dass sie mitschreiben und Fragen stellen durften, berichtete ich während eines Auslandssemesters in “Briefen aus Frankreich” lieber über meine Erfahrungen mit der französischen Streikkultur.
Zwar habe ich mich im Rahmen meines Publizistik-Studiums auch intensiv mit den Schattenseiten des Journalismus beschäftigt. Ein allzu idealistisches Berufsbild ist angesichts des wachsenden finanziellen Drucks der Werbewirtschaft auf redaktionelle Inhalte längst hinfällig geworden und die Aussichten auf eine frühe Festanstellung gering. Dennoch sind es vor allem der enge Kontakt zu anderen Menschen, der intensive, genaue Umgang mit der Sprache und eine trotz allem gewisse kritische Distanz, die mich an diesem Beruf so sehr faszinieren, dass ich ihn nach meinem Studium auf jeden Fall ausüben möchte.
von Sandra Dorn