Archiv für April 2008

Geschichten erzählen viele, Journalisten zuerst…

April 29, 2008

Im Frühjahr 1999 leistete ich während meiner Ausbildung zum Fernsehredakteur im ZDF Landesstudio Hessen eine Station ab. Die Landesstudios des ZDF bestehen aus Teams, die regional bezogen recherchieren und die aufbereiteten Themen den aktuellen Sendungen (heute, heute-journal, Drehscheibe Deutschland, Hallo Deutschland, logo etc.) als Beiträge anbieten. Die Arbeit “vor Ort” in einem Studio ist für einen noch nicht sehr erfahrenen Hospitanten, Trainee oder Volontär eine gute Möglichkeit, journalistische Realität zu erleben: Wer schneller recherchiert und als Erster anbietet, bekommt den Auftrag zur Produktion des Beitrags. Den Zweiten beißen die Hunde.

Recherche im Internet bringt Zeitvorteil
Ich war in dieser Zeit im Dienst und auch nach Feierabend intensiv im Internet unterwegs: Internationale Nachrichtenseiten, mehr oder weniger “unbekannte” Fachforen mit Insiderwissen, Webseiten, auf denen man die Standorte von Ü-Wagen (SNG) national und international verfolgen und buchen konnte – ich spürte den Puls der Zeit und war fasziniert davon, mich endlich im realen Wettbewerb messen zu können.

Auf einem meiner Streifzüge stieß ich irgendwann spät in der Nacht auf eine Nachricht, die mich aufmerken ließ: Es war Krieg im Kosovo – und die Info lautete, dass morgen die ersten Flüchtlinge nach Deutschland gebracht werden sollten. Deutschland – das heißt Frankfurt, da nur ein Flieger als Transportmittel in Betracht kam. Und Frankfurt liegt in Hessen, befindet sich also im Einzugsgebiet unseres Studios. Meine Story! Soviel war klar: Die Nachfrage nach Material wird bei demjenigen, der als Erster anbietet, riesig sein. Für mich als Trainee wäre das ein unvorstellbarer Glücksfall. Oder eine wirklich gute Recherche, je nach Sichtweise. Die restlichen Stunden bis zum nächsten Morgen konnte ich trotzdem erstaunlich gut schlafen.

Erste Bestätigung und eine Spur nach Gießen
Um kurz vor sieben klingelte der Wecker und ich schnappte mir sofort das Telefon. Der Anruf beim Flughafen brachte einen direkten Treffer: Die Pressestelle war um diese Zeit schon besetzt – ein sicheres Zeichen dafür, das “was im Busch” ist. Ein sehr zögerlicher Mensch am anderen Ende der Leitung wollte wissen, woher ich denn die Information hätte? Ein innerliches Grinsen: Kein Dementi bedeutet eine Bestätigung. Ich ging auf die Frage nicht ein und konterte, ob wir Journalisten uns irgendwo zentral bei der Landesregierung anmelden müssen oder ob die Akkreditierung beim Flughafen ausreiche? “Dürfen wir nur bei der Ankunft filmen oder auch anschließend?” Natürlich hatte ich keine Ahnung, wo oder was “anschließend” sein würde – ein Schuss ins Blaue. Anmeldung beim Flughafen sein nötig, bestätigte mir nach nochmals kurzem Zögern der Pressemensch. Wenn ich in Gießen noch filmen möchte, dann müsse ich das mit den örtlichen Stellen abklären.

Gießen? Moment, da gab es doch ein Auffanglager für Asylanten, das nur zum Teil ausgelastet war. Kenn’ ich, hatten wir erst vor kurzem in der Recherche über Asylmissbrauch. Mist – die Telefonnummer liegt im Studio in meinem Ordner und ich habe keinen eigenen Schlüssel! Also direkt die zentrale Telefonauskunft der Landesregierung angerufen, im Anschluss die so erhaltenen Telefonnummer in Gießen. In der Leitung dann der Chef des Auffanglagers – um diese Uhrzeit ein weiteres Indiz für den richtigen Riecher - der mir bestätigte, dass gegen 22 Uhr die Maschine in Frankfurt landen und die Flüchtlinge im Anschluss nach Gießen gebracht würden. Wir erhielten als erstes Team die Drehgenehmigung. Ich schrieb schnell die Themenanmeldung und schickte sie an meine ZDF-Mailadresse, duschte, machte mich fertig und fuhr zum Studio. Nach zehn Minuten kam der Frühredakteur und ließ mich rein. Fünf Minuten später ging die Themenmeldung über den Mail- und Faxverteiler raus, weitere fünfzehn Minuten später kamen die ersten Bestellungen bei uns an. An Ende des Vormittags wollten über zwanzig aktuelle Sendungen mein Material.

Wesen des Journalisten
Der Journalist lebt am Puls der Zeit, sagt man. Die ersten drei Monate im Berufsleben eines aktuellen Journalisten werden oft als sehr hart empfunden. Irgendwie hat man immer zu wenig Schlaf, muss tausend Dinge gleichzeitig machen, hat das Gefühl, man schwimmt mehr als dass man festen Boden unter den Füßen hat – und tritt doch ständig auf der Stelle. Eine permanente Reizüberflutung an Informationen lässt einen abends noch länger wach liegen und raubt den ohnehin knappen Schlaf. Überwindet man diese Phase, hat man sich an das “Pulsieren” schnell gewöhnt: Es vergeht kein Tag, auch nicht im Urlaub, an dem man nicht schnell noch mal die Agenturen “checkt” oder “seine” Website besucht. Das kleine Wiesel in einem ist immer irgendwie auf der Suche nach Nahrung, schnüffelt nach Informationen, hetzt der ultimativen Geschichte hinterher. Tatsächlich gewinnt man dadurch nur einen kurzen Wissensvorsprung – man will ja Publizieren, will, dass wenige Stunden später alle davon sprechen: Die Nachricht von eben wird langweilig – “kenn ich schon”.

Journalist sein bedeutet eben nicht, etwas zu wissen, was andere nicht wissen. Man weiß es einfach nur zuerst…

Fähigkeiten und Voraussetzungen des journalistischen Berufes

April 25, 2008

Wer einen Blick auf die Homepage des „Deutsche Journalisten-Verbands (DJV) riskiert, findet unter der Rubrik „Journalist/in werden“ folgenden Satz: „Eigentlich müsste es ganz einfach sein, Journalist/in zu werden. Dazu ist nicht einmal eine spezielle Ausbildung nötig.“ Wie der Journalisten-Verband ganz richtig formuliert, ist dies jedoch nur „eigentlich“ der Fall. Denn auch wenn für diesen Beruf keine spezielle Ausbildung vor-geschrieben wird, wäre es jedoch nicht für jedermann empfehlenswert das nächste Regionalblättchen aufzusuchen, um sich als neuer Mitarbeiter vorzustellen.

Da ich mich noch nicht entschlossen habe, ob ich Journalistin werden möchte, werde ich mich in diesem Artikel der Frage widmen, warum sich jemand für den Beruf des Journalisten entscheiden sollte und welche Fähigkeiten und Voraussetzungen meines Erachtens dafür notwendig sind.

Welche romantischen Vorstellungen ein angehender Journalist auch haben mag, und welche Vorbilder und Mentoren ihn auch leiten mögen, bestimmte Fähigkeiten für diesen Beruf sind - auch bei dem innigsten Wunsch Journalist werden zu wollen - einfach unerlässlich. Natürlich sind auch meine Vorstellungen von dem Beruf des Journalisten möglicherweise zu romantisch und an einigen Stellen in hohem Maße idealistisch. Es handelt sich hierbei jedoch lediglich um eine sehr persönliche Annahme.

Formale Voraussetzungen für den angehenden Journalisten sind zunächst einmal sprachliches Geschick und gute grammatikalische Kenntnisse. Besitzt er diese Fähigkeiten, ist der erste Grundstein für eine journalistische Laufbahn gelegt. Doch derjenige, der diesen Berufzweig lediglich wählt, weil er fehlerfrei ein Diktat schreiben kann, ist hier wohl fehl am Platz. Auch andere Charaktermerkmale und Kompetenzen sollten vorhanden sein. Neugierde ist wohl eine von ihnen. Die Fähigkeit sich geradezu für jedes Thema begeistern zu können, ist fast täglich unter Beweis zu stellen, denn es wird sehr wahrscheinlich jedem Journalisten mal passieren, dass er für Themen recherchieren muss, die nicht im geringsten zu seinen bevorzugten Interessen gehören. Sind die Recherchetätigkeiten abgeschlossen, ist es von großer Bedeutung, dass er in der Lage ist, seine Informationen so zu Papier zu bringen, dass sie dem Leser verständlich erscheinen.

Bei einigen der Fähigkeiten würde ich mir sicher sein, diese nicht erfüllen zu können, andere wiederum würde ich mir jedoch durchaus zutrauen. Daher kann ich nicht vollkommen ausschließen, dass auch ich mich eines Tages in diesem Berufszweig versuchen werde.

Sprungbrett Lokaljournalismus

April 25, 2008

Wie eine 23-jährige Publizistik-Studentin auf die Idee kam Journalistin zu werden

“Wollen Sie nicht lieber gleich als freie Mitarbeiterin bei uns einsteigen?” Eigentlich wollte ich nur ein Praktikum bei der Offenbach Post machen, als mich mein Chef vor drei Jahren mit dieser Frage überrumpelte. Aus den ersten kläglichen Anfängerversuchen nach dem Motto “learning by doing” wurde daraus ein Studentenjob in einer Lokalredaktion, bei dem ich nicht nur interessante Menschen kennen lerne, sondern auch Zutritt zu manchen Bereichen habe, die den meisten verschlossen bleiben. So kletterte ich im Schutzanzug durch Kanalöffnungen in Wasser-Rückhaltebecken, begleitete männliche Kindergärtner bei ihrer täglichen Arbeit und verdichtete bei einem Hörfunk-Praktikum auch schon mal zwei Stunden Tonmaterial zu einem Drei-Minuten-Beitrag über ein Hamburger Vogelschutzgebiet.

Auch wenn ich zwischenzeitlich Praktika im Verlagswesen, im Bereich PR oder im Goethe-Institut gemacht habe – immer wieder zog es mich zurück in den Journalismus. Anstatt Journalisten bei mitorganisierten Pressekonferenzen darum zu beneiden, dass sie mitschreiben und Fragen stellen durften, berichtete ich während eines Auslandssemesters in “Briefen aus Frankreich” lieber über meine Erfahrungen mit der französischen Streikkultur.

Zwar habe ich mich im Rahmen meines Publizistik-Studiums auch intensiv mit den Schattenseiten des Journalismus beschäftigt. Ein allzu idealistisches Berufsbild ist angesichts des wachsenden finanziellen Drucks der Werbewirtschaft auf redaktionelle Inhalte längst hinfällig geworden und die Aussichten auf eine frühe Festanstellung gering. Dennoch sind es vor allem der enge Kontakt zu anderen Menschen, der intensive, genaue Umgang mit der Sprache und eine trotz allem gewisse kritische Distanz, die mich an diesem Beruf so sehr faszinieren, dass ich ihn nach meinem Studium auf jeden Fall ausüben möchte.

von Sandra Dorn

Warum werde ich Journalistin?

April 25, 2008

Journalist kann jeder sein. Das steht im Grundgesetz. Artikel 5 garantiert die Freiheit der Meinung in Wort, Schrift und Bild. Doch was tut ein Journalist? Als Auslandskorrespondent in der Tagesschau live zugeschaltet aus fernen Ländern über die aktuellsten Geschehnisse berichten? Für den Spiegel die großen Skandale aufdecken? Um die Welt jetten und seitenlange Reportagen verfassen?
So oder ähnlich stellen sich viele Menschen das Berufsbild des Journalisten vor. Klingt traumhaft, spannend und verlockend. Diese Vorstellungen könnten sicher schnell viele Zeitgenossen von der Zunft des Journalismus überzeugen – entsprächen sie der Realität. Die stellt sich jedoch eher so dar: Schlechte Bezahlung, unsichere Beschäftigungschancen, keine eindeutigen Ausbildungswege und unregelmäßige Arbeitszeiten sind nur einige Probleme, mit denen sich Journalisten oder die, die welche werden wollen, auseinandersetzen müssen. Die großen, aufregenden Jobs sind nur einem kleinen Kreis vergönnt, der Rest muss sich mit Zukunfts- und Perspektivängsten auf ständig wandelnden Medienmärkten auseinander setzen.
Warum dennoch Journalist werden? Für mich ist die Antwort einfach: Aus Leidenschaft. Aus der Leidenschaft am Schreiben. Dem Wunsch, die Welt zu beschreiben und Menschen über Ereignisse zu informieren. Journalisten lernen die unterschiedlichsten Menschen und deren Geschichten kennen, erhalten Einblicke in die verschiedensten Welten und sind kreativ. Journalismus ist vielfältig: Themen recherchieren, Informationen sammeln und für ein möglichst breites Publikum verständlich aufbereiten. Interviews führen, Meldungen bearbeiten, Nachrichten schreiben. Diese Vielfältigkeit an Einsatzgebieten, an Tätigkeiten und an Themen reizt mich. Journalismus lebt von der Aktualität und wird nie langweilig - diese Vielfalt und Abwechslung sind für mich die entscheidenden Gründe für eine Zukunft in diesem Berufsfeld. Nicht festgelegt zu sein auf ein festes Tätigkeitsfeld sehe ich nicht als Nachteil. Vielmehr sollte die unstetige Medienlandschaft als Chance begriffen werden, sich immer weiterentwickeln und weiterbilden zu können. Sich immer neuen Herausforderungen zu stellen, räumlich mobil zu sein und jederzeit neuen Arbeitssituation anzupassen – Flexibilität eben.
All das macht für mich das Journalisten-Dasein aus – auch ohne Leitartikel für die Süddeutsche Zeitung zu schreiben oder Radio-Sendungen bei der Deutschen Welle zu moderieren. Schön ist zwar die Vorstellung, aber nicht zwingend nötig, um die Leidenschaft für den Journalismus auszuleben. Journalist kann jeder sein. Ein guter Journalist wohl nur der, der von dem, was er tut, überzeugt ist.

Warum will ich Journalist werden?

April 25, 2008

Journalist – ein Beruf von dem viele träumen. Aber was heißt es eigentlich „Journalist sein“? Langenscheidts Großwörterbuch definiert Journalist als: „j-d, der Berichte usw für Zeitungen, Fernsehen oder Rundfunk macht.“
Was bedeutet das für mich? Will ich wirklich Journalist werden? Dieser Beruf wird von vielen Menschen sehr oft mit Berühmtheit, Aufmerksamkeit, Geld verbunden. Will ich mich jeden Tag in den Ring stellen und darum kämpfen, dass jemand meinen Bericht zeigt oder druckt? Soll ich jeden Tag, 356 Tage im Jahr, davon abhängig sein, dass jemand einen Bericht über dies oder jenes haben möchte? Ich glaube nicht, dass dies das Ziel meines Lebens sein könnte. Es geht doch nicht um Berühmtheit, Geld, aber um Stimme, Gedanken und Schreiben selbst. Das ist das wichtigste: Schreiben! Es ist für mich wie fliegen. Man ist unbegrenzt, frei, wie ein Vogel. Da bin ich, mein Stift (oder auch Tastatur), leeres Blatt und Gedanken. Erst kommen Wörter, dann Sätze und die bilden Geschichten. Und so wie der Vogel darf ich dorthin fliegen, wo nur ich hin möchte. Das schönste daran ist, dass es keine Grenzen gibt. Kein Mensch gibt die Richtung vor und wenn doch, dann entscheide schließlich ich, was auf diesem leeren Blatt festgehalten wird. Und viel schöner ist es doch, wenn man nicht viel überlegt, sondern das schreibt, was einem das Herz vorsagt. Ich glaube das wichtigste für mich ist es, wie der Vogel zu sein. Solange ich schreibe, weiß ich, wo mein Ziel ist. Man könnte an dieser Stelle fragen, warum schreibe ich überhaupt? Ich glaube wichtig ist es für mich, dass ich das, was ich für wichtig halte, auch festhalten kann. Ich wollte sein, wie Ryszard Kapuscinski, der von jeder Reise einen Bericht in Form eines Buches mitgebracht hat, um in den Menschen das Verständnis zu wecken, was er in seinem Leben macht und warum. Ein weiteres Vorbild ist Waldemar Milewicz. Er war ein Journalist, der den Menschen die schlimmsten Ereignisse des Krieges zeigen wollte. Dafür ließ er sein Leben im Irak. Diese Art Journalismus ist es, die mich so interessiert und beeindruckt. Man könnte ohne Beschränkung, aber doch auf eigene Verantwortung darüber berichten, was man für eine, ich nenne das Geschichte der Menschheit, halten würde. Dieser Teil dieses Berufs (obwohl ich der Meinung bin, dass man Journalismus nicht als Beruf bezeichnen kann) wird oft als verantwortungslos und zu riskant verurteilt. Meiner derzeitigen Meinung nach ist dies der einzige Aspekt des Berufs, den ich für sinnvoll halte. Ein Journalist ist wie ein Bote, der zeigt, was im Leben den anderen Menschen passiert, der über die schlimmsten Erfahrungen anderer berichtet und den Opfern dadurch Hoffnung gibt, dass er Aufmerksamkeit erregt. Journalist als Soldat der Menschheit, der ohne Gewalt um die Gerechtigkeit des Lebens kämpft.
Wenn ich wirklich auf die Frage: „Warum ich Journalist werden möchte?“, eine Antwort geben soll, dann gebe ich zu, dass es bestimmt eine interessante Erfahrung sein kann. Ich möchte ein Journalist werden, der sich für die Unterdrückten dieser Welt einsetzt.

Uni Mainz – Geographie-Studenten werden Journalisten

April 25, 2008

„Es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten“, so lautet ein Sprichwort.
Sprichwörter gelten als Sätze, die in kurzer, prägnanter Form (Lebens-)Weisheiten ausdrücken.

Doch dieser Tage scheint der Geographie-Student dieses Sprichwort mindestens kritisch zu beäugen. Getrieben vom Interesse an der „Erdkunde“, in Ausnahmefällen auch die einfachste Antwort auf die „Was mache ich eigentlich nach dem Abi?“-Frage, freut man sich sein Wissen über den Raum des menschlichen Lebens und dessen physische Eigenschaften zu vertiefen.
Schon zu Studienbeginn macht sich leichte Ernüchterung breit. Neben dem Hauptfach Geographie muss man noch zwei Wahlpflichtfächer belegen. Gesagt, getan. Eines davon soll Publizistik sein. Und zugegeben – Publizistik gefällt. Vor allem die oftmals praktische Auslegung lässt die Frage „Wozu brauche ich das eigentlich?“ nur noch selten aufkommen.
Apropos Praxis. Ebenfalls auf der studentischen „To Do“-Liste befindet sich das Seminar „Journalistische Praxis“. „Nun gut“, denkt sich der Geographie-Student, „der praktische Teil deines Wahlpflichtfaches war bisher recht spaßig und interessant, auf ins Seminar „Lehrredaktion Online“!“.
Zu Beginn der Veranstaltung erfährt man, dass der Dozent für das ZDF arbeitet. Eine wertvolle Erfahrung. Für den angehenden Journalisten. Der Geograph hingegen bemerkt, dass, oh Wunder, er hier wirklich journalistische Arbeit leisten muss. Bestehend aus Redaktionskonferenzen, Themenfindung und –bestimmung, sowie der Vorortrecherche und dem Anfertigen eines Artikels. Das ist der erste „Hallo-Wach-Moment“. „Wie? Ich soll durch die Gegend wetzen und auf Journalist machen?“. Eine Mischung aus Verwirrung, Verunsicherung und Hilflosigkeit macht sich breit. „Bin ich hier überhaupt richtig?“, „Brauch ich den Schein wirklich?“, sind nur einige Fragen, die einem in diesem Moment durch den Kopf schießen. Ja, Geographie-Studenten mit dem Wahlpflichtfach Publizistik brauchen den Schein in „Journalistische Praxis“ um das Studium abschließen zu können.
Kaum berappelt kommt es dann auch schon zum zweiten „Hallo-Wach-Moment“ des Seminars. Die erste „Hausaufgabe“ steht an. Eine in 2500 Wörtern gefasste Antwort auf die Frage „Warum werde ich Journalist?“.
Da haben wir sie ja, die „dumme“ Frage. Eine nicht zu beantwortende direkt zum Einstieg in die Veranstaltung zeigt unweigerlich auf, wie sinnfrei dieser Schein für aufkommende Geographen ist. So deckt der Inhalt kaum brauchbare Erfahrungen für die spätere Berufssparte und man muss zu allem Überdruss dem Niveau von einigen Kommilitonen mit absolvierten Praktika im medialen Berufsfeld standhalten. Geschweige denn den Ansprüchen des Dozenten.

So hoffe ich doch für spätere Generationen von Geographie-Stundenten, dass man hier den Lehrplan nochmals überdenkt. Somit bliebe auch den, durch das Aufkommen von „user generated content“ und der „blogosphere“, ohnehin Leid geprüften Journalisten eine weitere Gruppe von „Möchtegern-Reportern“ erspart.

Der kleine Schritt vom Studenten zum Onlinejournalisten

April 25, 2008

Einen allgemeinen Hinweis darauf, warum die Tätigkeit als Journalist so attraktiv ist, kommt vom amerikanischen Schriftsteller Mark Twain, der ein Talent dazu hatte, mit wenigen Worten viel auszusagen: „Leute, die ein Leben lang darüber nachdenken, welchen Beruf sie eigentlich verfehlt haben.“

Über Studenten sagen manche Leute, sie würden bis in den Mittag hinein im Bett liegen bleiben, sie seien grundsätzlich faul und sollten sowieso lieber „etwas Ordentliches“ machen. An dieser Stelle sollen solche Vorwürfe einfach als Neid gewertet werden, denn schon Schopenhauer wusste, dass Neid in Deutschland die höchste Form der Anerkennung darstellt.

Neben dem Punkt der Anerkennung gibt es weitere Argumente dafür, dass die Entscheidung, nach dem einen oder anderen Hochschulsemester in den Onlinejournalismus zu gehen, eine absolut logische ist. Man betrachte zum Beispiel das Thema Zeitdruck: „Online-Medien haben keinen Redaktionsschluss, es sei denn, er wird gesetzt.“ Dies lehrt uns das Internetlexikon Wikipedia. Nun wird sich selbst ein Berufseinsteiger ein gewisses Zeitfenster für einen Artikel setzen, doch am Ende wird einem der Chefredakteur schon einen Aufschub gewähren. Als Student muss einem an dieser Stelle fast zwangsläufig die letzte – oder die kurz bevorstehende – Hausarbeit in den Sinn kommen.

Auch ist der Onlinejournalismus im Stande, studentische Gewohnheiten und das Geltungsbedürfnis vieler Studierender unter einen Hut zu bringen. So bemerkte Bertolt Brecht in einer seiner Radiotheorien – was zweifellos auf Internetblogs noch mehr zutrifft als auf das Radio, aber das konnte der gute Brecht zu seiner Zeit noch gar nicht wissen: „Man hatte plötzlich die Möglichkeit, allen alles zu sagen, aber man hatte, wenn man es sich überlegte, nichts zu sagen.“ Man erkennt, dass Onlinejournalismus sogar zur Heimstätte für viele Studierende werden kann.

Der Beruf des Onlinejournalisten ist also perfekt auf das Studentendasein zugeschnitten: hohe Anerkennung, flexible Zeitfenster für die Abgabe von Texten und die Möglichkeit, sich einmal alles von der Seele oder aus dem Geist zu schreiben. Hinzu kommt die geringe Umstellung vom Studenten- zum Journalistenleben.

Und für den Studierenden, der im festen Glauben lebt, er beziehungsweise sie sei noch viel zu jung für einen richtigen Beruf, dem seien die weisen Worte Konrad Adenauers ans Herz gelegt: „Mit kleinen Jungen und Journalisten soll man vorsichtig sein. Die schmeißen immer noch einen Stein hinterher.“ Onlinejournalismus – ein Beruf für studentische Bedürfnisse, der obendrein noch einen beachtlichen revolutionären Geist versprüht.

von Jonas Vomstein

“Weil es mir Spaß macht…“

April 25, 2008

Warum will ich Journalistin werden? Eine gute Frage, mit der ich mich bislang noch nicht intensiv auseinandergesetzt habe. Irgendwann in meinen jungen Jahren habe ich das wohl spontan für mich entschieden. Vielleicht, weil das Schreiben schon immer zu meinen Leidenschaften gehörte; Möglicherweise, weil mein Vater für eine Zeitung arbeitet- ich weiß nicht mehr, was der Auslöser war.

Momentan weiß ich auch nicht genau, ob ich überhaupt in den Journalismus möchte, oder doch lieber in die Öffentlichkeitsarbeit oder Werbung. Augenscheinlich befinde ich mich in einer Orientierungsphase. Davon habe ich bereits unzählige hinter mir. Zeiten, in denen ich plötzlich gar nichts mehr weiß: Schreiben? Fotografieren? Oder doch etwas ganz Anderes? Irgendwie klingt dann immer Alles interessant - und doch Nichts richtig gut. Ich habe schon mit einer Grafikdesign- Ausbildung geliebäugelt, wollte kurzzeitig Maskenbildnerin werden.

Bisher bin ich allerdings immer wieder zum Journalismus zurückgekehrt. Sei es, weil ich auf ein Thema gestoßen bin, über das ich gerne berichtet hätte - sei es, weil ich einen Artikel gelesen habe, der vor Fehlern strotzte und ich es besser machen wollte. Oder lediglich, weil ich Journalisten auf einer Pressekonferenz gesehen habe und gerne einer von ihnen gewesen wäre.

Es ist ein außergewöhnliches Gefühl kontinuierlich neue Informationen zu recherchieren und zu beobachten, wie sich jedes noch so kleine Teilchen langsam - wie in einem Puzzle – zu einem Ganzen fügt. Am Ende steht dann schließlich der vollständige Artikel mit all seinen Zusammenhängen und Hintergründen. Bildungsreform und Bundeshaushalt, Modenschauen und Musicals, Glücksgefühle und Genialitäten: Als Journalistin habe ich die Möglichkeit interessante Themen aus unterschiedlichsten Bereichen zu recherchieren und sie in Wort und Bild darzustellen. Ich kann Artikel schreiben, die den Leser informieren und gleichzeitig Spaß machen - mal ernsthaft und informativ, dann wieder humorvoll und unterhaltend.

Mit dem Journalismus interessiere ich mich für ein Berufsfeld, das es ermöglicht, abwechslungsreich zu arbeiten, interessante Menschen zu treffen und nahe am aktuellen Geschehen mitzuwirken. Als Schnittstelle zwischen Ereignissen und Lesern stehe ich täglich vor der Herausforderung aus jedem Thema das Beste herauszuholen.

Warum ich Journalistin werde? Eine gute Frage. Nachdem ich darüber nachgedacht habe, weiß ich: Weil es das ist, was mir Spaß macht!

von Annelie Schneider

Warum werde ich Journalistin?

April 25, 2008

Lange, kupferrot schimmernde Haare, schwarz getuschte Wimpern, eine dunkelblaue Jeans, eine weiße, sportlich-elegante Jacke, ein melonenartiger, frischer Duft von Duschgel auf der Haut – das war ich an jenem Herbsttag 1999. Ich erinnere mich noch ganz genau an diesen einen besonderen Moment: Eine meiner Freundinnen hatte Geburtstag und wir saßen in einem kleinen Kinosaal in Hofheim am Taunus. Während die anderen Mädels sich offensichtlich nicht entscheiden konnten, ob sie lieber den Film sehen, Chips essen oder tuscheln wollten, starrte ich mit glasigen Augen auf die Leinwand und verfolgte den Film „Ungeküsst“. Mein Interesse galt allein Drew Barrymore alias Josie Gellar: Wie würde ihre ultimative Story der Selbstfindung als Journalistin in Chicago wohl ausgehen? Dann fielen die Worte, die ich bis zum heutigen Tag nicht vergessen habe: „Jemand hat mir mal gesagt: Wenn du gut schreiben willst, dann schreibe über das, was du weißt.“

Ich weiß Folgendes: Ich bin 23 Jahre alt und kann auf eine Kindheit zurückblicken, in der ich mit großen Enthusiasmus geschrieben habe – egal ob das Hausaufgaben, Briefe, eigene Geschichten, Gedichte oder Liedtexte waren. Damals wie heute liebe ich es, mit Worten zu spielen, zu sehen und zu fühlen, was mit Sprache alles ausgedrückt werden kann. Auch die künstlerische Ausgestaltung von Layouts ist eine meiner Leidenschaften. Innere Berufung, kreative Ader, unabwendbarer Schreibdrang – Worte gibt es viele für das Gefühl, das ich mit dem Journalismus verbinde. Bis zum Ende meiner Schulzeit ist in mir der Wunsch gereift, dass ich Auslandkorrespondenten in den USA werden will. Dabei reizt mich sowohl die Arbeit als Redakteurin in einer überregionalen Zeitung, als auch der Job einer Moderatorin vor der Kamera.

Doch in jedem Fall will ich als Journalistin an der Darstellung der Wirklichkeit in den Medien mitwirken und den Menschen vielleicht jene Wahrheiten nahebringen, die sie so noch nicht kannten. Ich will den Menschen die Ereignisse in einer sich ständig wandelnden Welt zeigen sowie die Reaktionen der Politik auf diese täglichen Veränderungen am Puls der Zeit miterleben. Ich möchte Details aufdecken, von denen bis dato keiner etwas wusste. Ich will wichtige Persönlichkeiten vor die Kameras bringen und ihnen Worte entlocken, welche die Welt besser machen können. Denn wie sagten die Klassiker einst? Es geht letztendlich nur um das „Schöne, Wahre, Gute“. Was meine Arbeit anbelangt, so liegt mein Fokus dabei vielmehr auf der Wahrheit, der Aktualität und der Wirkung der Berichterstattung auf die Mediennutzer - aber das ist dann ein anderes Thema.

Von Simone Jäger

Im Anfang war das Wort.

April 25, 2008

Seit Menschengedenken werden dem Wort übermenschliche Kräfte nachgesagt. Wer den wahren Namen eines Menschen kennt, übt Macht über ihn aus. Das Schlüsselwort offenbart Geheimnisse - das Zauberwort, zur richtigen Zeit ausgesprochen, kann gar die Gesetze von Raum und Zeit außer Kraft setzen! Wer mit Worten umzugehen weiß, kann als Redner, als geistlicher Führer, als Schamane seine Mitmenschen lenken.

„Alles Hokuspokus!“ sagt der aufgeklärte Weltbürger der Gegenwart. Wir leben in einer materiellen Welt, Magie gibt es nicht, und man ist ja außerdem Agnostiker! Und doch baut sein gesamtes Weltbild auf den Informationen auf, die täglich durch Zeitung, Fernsehen und Internet auf ihn einströmen. Die Journalisten, die Schamanen der Neuzeit, weben die auf sie einströmenden Informationen in ein Netz, das die Welt umspannt. Sie bannen die Vielfalt unserer Existenz auf Papier. Damit setzen sie sich zwar nur in Einzelfällen über Raum und Zeit hinweg, doch die journalistische Agenda bestimmt, was die Gemüter bewegt. So binden sich in San Francisco Menschen an Brücken fest, um für Tibet zu protestieren. Doch ohne die Medien hätten sie wohl nie gewusst, was Tibet überhaupt ist.

Haben wir uns also kein Stück weiterentwickelt von der Gesellschaft, in der die breite, entmündigte Masse von einer kleinen Zahl sprachbegabter Führer dominiert wird?

Nein! Die Aufgabe des Journalisten liegt nicht darin, die Menschen zu kontrollieren. Er kann das Wissen - und damit die Macht - über das eigene Leben an die Menschen weitertragen, etablierte Denkmuster aufbrechen und seine Leser und Zuschauer einladen, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Er führt sie an fremde Welten heran und stellt ihnen dann frei, die so gewonnenen Einblicke auf ihre eigenen Lebenswelten zu übertragen. Er macht Informationen verdaubar und trägt so dazu bei, dass Menschen die Kraft entwickeln, über das Wissen der Welt zu verfügen und sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen.

Das Verfolgen der Medien gibt ständig neue Denkanstöße - nicht nur für die Leser, sondern auch für den Journalisten selbst. Er ist gezwungen, sich täglich mit neuen Themen auseinanderzusetzen, immer etwas schneller zu sein als die anderen, immer etwas tiefer zu schürfen - und hört dadurch niemals auf zu lernen. Sein Beruf ist lohnenswert über das reine Brötchenverdienen hinaus. Da das Rad der Zeit niemals stillsteht, hat er die Chance, sich täglich neu zu erfinden. Er lernt, mit der aberwitzigen Geschwindigkeit der Welt Schritt zu halten. Und attestiert man ihm auch eine besonders geringe Lebenserwartung, so muss den Journalisten das nicht stören. Was machen schon ein paar Jährchen weniger Zeit aus, wenn man zeitlebens dreimal so viel erlebt und bewegt wie der behäbige Angestellte, der Jahre seines Lebens damit verschwendet, auf 17 Uhr zu warten?

Julia Reda