Was „Vertrauen und Gewalt“ mit Faust zu tun haben

Mai 16, 2008 by benkash

Die unter der Leitung von (Prof. Dr. Dr. H.C. Mult.) Jan Philipp Reemtsma geführte Vorlesungsreihe über die Problematik von „Vertrauen und Gewalt“ aus sozial- und literaturwissenschaftlicher Sicht geht bereits in die vierte Runde. Grund genug, mal einen näheren Blick auf diese zu werfen.

„Des Lebens Pulse schlagen frisch, lebendig ätherische Dämmerung milde zu begrüßen; Du, Erde, warst auch diese Nacht beständig und atmest neu erquickt zu meinen Füßen, beginnest schon mit Lust mich zu umgeben, du prägst und rührst ein kräftiges Beschließen, zum höchsten Dasein immer fort zu streben.“

Mit diesem Ausschnitt aus Johann W. von Goethes berühmtem Faust eröffnete Jan Philipp Reemtsma die zweite Vorlesung der Johannes-Gutenberg-Stiftungsprofessur 2008 zum Thema „Vertrauen und Gewalt“. Die Vorlesungsreihe, welche durch private Mittel der „Freunde der Universität Mainz e. V.“ unterstützt wird, richtet ihre Betrachtung auf ein Interesse an den weichen Mechanismen sozialer Bindung und Kohäsion. Somit soll das Phänomen der Gewalt nicht in Bezug zu Macht und Herrschaft, sondern zu Vertrauen beleuchtet werden.

Dementsprechend wird die Beantwortung der Frage, welche Charakteristika soziales Vertrauen einerseits und Gewaltmisstrauen andererseits umfassen, angestrebt.  Dazu sollen jene mit dem Vorkommen von Gewalt im 20. Jahrhundert in Beziehung gesetzt  und das Prinzip des Zusammenhalts in der Moderne erörtert werden.

Der Literatur- und Sozialwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma

Doch wieso dann ein Zitat von Faust? Der festen Überzeugung Reemtsmas folgend, ist die Soziologie allein nicht in der Lage, diese Sachverhalte ausreichend zu erklären. Deshalb fließen neben der soziologischen Sichtweise auch psychologische, literaturwissenschaftliche und philosophische Elemente in die Betrachtung ein. Dies schafft der mehrfach mit Preisen bedachte Literatur- und Sozialwissenschaftler, Autor und Kritiker in einer einstündigen Vorlesung mit anschließendem Kolloquium scheinbar mühelos: Es fallen Namen bedeutender Soziologen und Philosophen von Luhmann über Hume bis Wittgenstein und deren intellektuelle Erkenntnisse zu Aspekten wie Vertrauen und Gewohnheit, Aktivismus, Misstrauen, Zuversicht und Zweifel. Dies alles unterlegt Reemtsma mit beispielhaften Verdeutlichungen wie der Gewaltkultur der Azteken,  Zitaten aus Goethes Beschreibung des Jahrhunderterdbebens in Lissabon Ende des 18. Jahrhunderts oder der antiken Geschichte der Antigone. Durch diese stilistische Durchmischung reißt die geistige Teilnahme des Hörers trotz des eher „trockenen“ theoretischen Unterbaus nicht ab und die Vorlesung behält ihren Spannungsbogen bei.

Ob die stilistisch durchmischte Art der Vorlesungsreihe sich auch in anderen universitären Bereichen in Mainz und der übrigen akademischen Welt niederschlägt, bleibt demnach zu wünschen, ist doch neben dem wissenschaftlichen Gewinn einer solchen Veranstaltung auch für die nötige intellektuelle Unterhaltung gesorgt.

Von Benjamin Kashlan

Dracula in weiblichen Körper?

Mai 16, 2008 by dzien2008

Die Rolle des Draculas kennt fast jeder. Es ist ein Ungeheuer, das in der Geschichte oder dem Film die Angst erregt. Es ist ein Monster, das auf Kosten der anderen lebt. Um zu überleben, muss er töten. Gerade ein Monster, ein Nachtswesen, etwas hässliches und böses wird eher mit einem Mann verbunden. Diese Vorstellung, dass etwas unglaublich negatives und angst- erregendes nur mit einer männlichen Figur dargestellt werden kann, wird in jedem Mensch schon seit Kindheit festgelegt. Diese Tatsache, dass die Rolle des Draculas im Film oder im Theaterstück nur von einem Mann gespielt werden kann, ist selbstverständlich. Und was, wenn eine Frau sich mit der Rolle auseinandersetzt? Dass es nicht nur möglich ist, sondern auch wirklich ein gutes Ergebnis geben kann, hat uns Carolin Haas gezeigt.
Die Studentin der Uni Mainz hat die Hauptrolle im Theaterstück „Dracula“ gespielt. Carolin hat eine nette Ausstrahlung und wenn man die Studentin der Germanistik und Anglistik an dem Flur in Philosophicum sieht, könnte man nicht behaupten, dass sie so überzeugend jemanden mit so negativen Charaktereigenschaften spielen würde. Und doch, schon bei der Prämiere des Stücks, hat sie das Publikum überzeugt, dass eine Frau doch sehr realistisch die Rolle des Bösen zeigen kann. Und wie kam es dazu? Das hat sie uns selber erzählt.

Wie lange habt ihr euch für diese Ausführung vorbereitet?
- Wir haben uns für „Dracula“ vor fünf Wochen entschieden, also nur fünf Wochen.

Warum spielt eine Frau die Rolle des Draculas?
- Wir hatten für diese Rolle erst einen Jungen ausgewählt, der sehr gut in der Rolle des Draculas war. Der Regisseur wollte jedoch ein bisschen experimentieren, etwas Neues und Ungewöhnliches zeigen, deswegen haben wir uns dafür entschieden, dass ich diese Rolle spielen sollte.  Wir wollten den Dracula als Nachtwesen zeigen.

Was war besonders schwer für Dich an dieser Rolle?
- Ich glaube, dass schwierigste war die Überwindung bei dem Körperkontakt mit den anderen Schauspieler. Bei der einen Szene musste ich zum Beispiel das Mädchen schon fast in den sexuellen Sinn anfassen. Das war am Anfang nicht so einfach.

Welche andere Rolle würdest du gerne in diesem Theaterstück spielen?
- Ich würde gerne jemanden Gutes, Nettes spielen. Ich spiele meistens jemanden Böses, eine negative Figur.

Inwieweit könntest du selber an der Rolle des Draculas experimentieren und wieweit hast Du dich an den Vorschlägen, bzw. Ideen des Regisseur halten müssen?
- Ich konnte sehr viele meinen Ideen in diesen Stück einbringen. Wir arbeiten gerne zusammen und experimentieren auch viel.

Was hat Dir am meisten Spaß bei der Vorbereitung des „Draculas“ gemacht?
- Mir gefällt am meisten die Gruppe an sich, unsere Zusammenarbeit. Es macht Spaß.

Habt ihr schon eine Idee, was ihr kommendes Semester präsentieren wollt?
- Wir spielen ein Theaterstück im Semester. Wir wissen noch nicht, was wir im nächsten Semester zeigen wollen.

Die Figur des Draculas mit der sich Carolin auseinander gesetzt hat, war auch wegen Erscheinungsbilds der Schauspielerin sehr realistisch. Das Kostüm, die „Monster-Nägel“ und Zähne eines Vampirs spielten hier eine sehr große Rolle. Wichtig war es aber auch, dass die Schauspielerin mit einer ungewöhnlich weiblichen Stimme sehr männlich klingeln konnte. Dies, wie sie selbst sagte, war eine Sache der Übung. Die sehr deutlich, langsam ausgesprochene Wörter haben den größten Effekt bei der Wahrnehmung der Zuschauer erregt. Ein böses Wesen in Körper einer Frau? Es ist doch ein Experiment, welches dieser Theatergruppe recht gut gelungen ist.

Serie: Die Referate des AStA

Mai 15, 2008 by janekrauhe

In unserer Serie „Die Referate des AStA“ stellen wir jede Woche einige Referate vor. Wir beginnen mit den fünf autonomen Referaten im AStA. Im Gegensatz zu den politischen Referaten werden die autonomen Referenten nicht vom Studierendenparlament (Stupa) gewählt, sondern von ihren jeweiligen Gruppen – also beispielsweise den Schwulen. Jeder schwule Student kann wählen und sich als Kandidat aufstellen. Ein weiteres Merkmal der Autonomie ist, dass die Referenten nur ihrer jeweiligen Vollversammlung Rechenschaft schuldig sind und frei über ihren Etat entscheiden und verfügen können. Insgesamt gibt es fünf autonome Referate. Das sind neben dem Schwulenreferat, das Frauen-, das Behinderten und das Ausländerreferat sowie der Zentrale Fachschaften Rat (ZeFaR).

Der erste Teil der Serie berichtet über das autonome Schwulenreferate und das autonome Frauenreferat im AStA. In der nächsten Woche stellen wir dir das autonome Behinderten- und das autonome AusländerInnenreferat vor.

Geballte Frauenpower

Mai 15, 2008 by janekrauhe

Es gibt mehr Studentinnen als Studenten an der Uni Mainz. Und Frauen sind öfter Opfer von Diskriminierungen und sexueller Belästigung – durch Kommilitonen aber auch durch Dozenten und Professoren. Um den Studentinnen eine Anlaufstelle bei Problemen zu bieten, gibt es seit Beginn der studentischen Selbstvertretung Ende der 60er Jahre autonome Frauenreferate.

Das Frauenreferat in Mainz kümmert sich um die Belange aller Studentinnen. „Wir sind Ansprechpartner für alle Frauen. Unserer wichtigstes Anliegen ist vor Diskriminierung und sexuellen Übergriffen zu schützen“, sagt Conny Becker, 22, eine der Frauenreferentinnen. Die Frauenreferentinnen wollen als „lautes Sprachrohr“ auf Missstände aufmerksam machen. In der Vergangenheit hatten sie immer wieder Anlass dazu. Erst kürzlich bei den versuchten Vergewaltigungen auf dem Campus.

Aber nicht nur ernste Themen sind ein Anliegen des Frauenreferats. Mit der Frauenbibliothek wollen die Referentinnen auch einen Ort des Rückzugs und der Entspannung den Studentinnen bieten. In der Frauenbibliothek gibt es Bücher, Videos und DVDs zum Thema Feminismus, Gender-Studies, aber auch einfache Belletristik. Kaffee und Tee gibt’s umsonst dazu. Die Frauenbibliothek ist nur für Frauen geöffnet – außer donnerstags, dann haben auch Männer Zutritt.

Für Erstsemesterinnen bieten die Referentinnen ab diesem Semester ein Erstifrauen-Wochende an. Gemeinsam fährt man ins Frauenlandhaus Charlottenberg und lernt sich besser kennen. Neben den Spaßveranstaltungen gibt es auch Workshops um das eigene Selbstbewusstsein und Auftreten zu verbessern. Beispielsweise können die Frauen an einem Rhetorik- und einem Selbstverteidigungskurs teilnehmen.

Aber auch Lesben kommen auf dem Campus der Uni Mainz nicht zu kurz! Neben der schwul-lesbischen „Warm ins Wochenende“-Party können sie noch die L-ternative-Party jeden ersten Samstag im Monat besuchen. Im Qkaff sind dann nur Frauen erlaubt – und Männer nur in Begleitung von Frauen. Die L-ternative-Party ist keine ausschließliche lesbische Party. Sie soll Frauen – ob hetero- oder homosexuell – die Möglichkeit geben, entspannt abends wegzugehen ohne auf der Tanzfläche von Männern angegraben zu werden. Die meisten Besucherinnen sind aber trotzdem lesbisch. Veranstalter der L-ternative-Party sind die Frauenreferentinnen des AStAs. So sorgt das Frauenreferat dafür, dass alle Studentinnen profitieren – in jeder Lebenslage.

Transsylvanien erleben - Das Day-Old Theater brachte Graf Dracula ins Philosophicum

Mai 15, 2008 by vomstein

An der ehrwürdigen Johannes Gutenberg-Universität zu Mainz gehen seltsame Dinge vor sich: Die Anzahl der Menschen, denen man am Tage begegnet, schwindet scheinbar mit jedem Sonnenaufgang und diejenigen, die sich bei Tageslicht zeigen, führen Kruzifixe bei sich und müffeln kräftig nach Knoblauch. Man munkelt über die Existenz einer mysteriösen Gruft unter den Mauern des Philosophicums…

Das Day-Old Theater existiert an der Mainzer Universität bereits seit Ende 1991 und führte 1992 mit „An American Dream“ von Edward Albee sein erstes Stück auf. Bis zum vergangenen Jahr hat es die unabhängige Theatergruppe auf stolze 20 Bühnenspiele gebracht. Dieses Jahr folgten mit „The Importance of Being Earnest“ von Oscar Wilde und „Dracula“ von Hamilton Deane und John L. Balderston die Nummern 21 und 22.
Die Faszination rund um Graf Dracula aus Transsylvanien, einem Gebiet im heutigen Rumänien, ist bis heute ungebrochen. Bram Stoker schuf die Romanfigur im Jahr 1897 nach einem realen Vorbild, dem Fürsten und Feldherren Vlad III Draculea, dessen Vater „Dracul“ genannt wurde. Dracul bedeutet aus dem Rumänischen übersetzt so viel wie „Der Teufel“ und Draculea „Sohn des Teufels“. Dem Sohn des vermeintlich Gehörnten wurde äußerste Grausamkeit nachgesagt, wie zum Beispiel das Aufspießen beziehungsweise Pfählen seiner Feinde bei lebendigem Leib. Stokers Dracula war der erste Vampirroman der Literaturgeschichte, erschien in unzähligen Auflagen und Übersetzungen und wurde in mehr oder weniger dichter Anlehnung an das Buch etwa 30mal verfilmt, wobei die Dracula-Darsteller von Max Schreck über Bela Lugosi, Klaus Kinski und Christopher Lee bis hin zum parodistischen Spiel von Leslie Nielsen in „Dracula – Tot aber glücklich“ von Mel Brooks reichen.
Starker Kaffee macht nachts wachsam

Wer vor dem Öffnen des Vorhangs einen Blick ins Programmheft des Day-Old Theaters wirft, bekommt den Hinweis „a play for people who like their coffee strong“. Für den Autor dieses Artikels war dies schon fast Grund genug, sich in die Tiefen des Philosophicums zu begeben. Im Vorfeld war etwas Skepsis angebracht, ob im Hörsaal P1 tatsächlich so etwas wie eine „transsylvanische“ Atmosphäre entstehen kann, doch am Ende kann gesagt werden, dass ein Ort, der immer wieder zahlreichen Studenten das Fürchten lehrt, für die Gräueltaten des Grafen Dracula wie geschaffen ist. Die gruftartige Atmosphäre ist nicht zuletzt der Lichtinszenierung von Dagmar Noll und dem von Stefanie Bauer gesteuerten Sound zu verdanken. Das zwischendurch immer wieder eingespielte Hundegejaule tut ihr Übriges, damit man sich in die Welt der blutdurstigen, spiegelbildlosen Vampire einfühlt.
Die erste Theaterfassung von Dracula stammt von Hamilton Deane aus dem Jahr 1925 und feierte in Derby seine Premiere. John L. Balderston bearbeitete es für den amerikanischen Markt und brachte es zwei Jahre später in New York zum ersten Mal auf die Bühne, schon damals übrigens mit dem späteren Filmdarsteller Bela Lugosi. Das offensichtlich Ungewöhnliche an der Fassung der Mainzer Studenten ist, dass entgegen dem weit verbreiteten Weltbild, dass nur Männer zu wirklich barbarischen Taten imstande seien, die Hauptrolle nicht vom bösen schwarzen Mann, sondern von der bösen, schwarzen Frau besetzt wurde. Carolin Haas – siehe auch das Interview in diesem Blog – verkörpert Count Dracula derart Furcht einflößend, dass manch ein Theaterbesucher nach dem Stück vermutlich nicht alleine durch die Nacht nach Hause laufen wollte.

Zwischen den Kreuzen

Zur Handlung des Bühnenspektakels: Bevor Dracula in London auf seinen Beutezug gehen kann, ziehen zunächst ein paar Jahrhunderte ins Land, da der Graf auf die Erfindung des Flugzeugs wartet, um von den Karpaten problemlos überall nach Europa gelangen zu können, innerhalb von nur einer einzigen Nacht. Zeit zu warten hatte der Graf zwar genug, doch nach all den Jahren sehnt er sich nach einer Braut und seine Wahl fällt auf Lucy Seward (gespielt von Lisa Pfiester). Als ihr Vater (Felix Kaloianis), seines Zeichens Psychiater in einer Nervenheilanstalt in der Nähe von London, bemerkt, dass seine Tochter etwas blutleer wirkt, bittet er Professor Abraham van Helsing um Hilfe. Der Spezialist für mysteriöse Krankheiten weiß natürlich sofort, was los ist und die zwei roten Punkte an Lucys Hals nehmen ihm auch die letzten Zweifel. Der von Sven Langensiepen verkörperte Vampirjäger versucht nun, bewaffnet mit Kruzifix, Holzpflock, Knoblauch und Weihwasser, gemeinsam mit Doktor Seward und Lucys Verlobtem Johnathan Harker (Stefan Broscheit) Dracula zu zerstören. Dies ist natürlich kein leichtes Unterfangen, da sich der Graf nicht nur dem Verstand des ohnehin schon Verwirrten Renfield bemächtigt, sondern sogar Lucys Hausmädchen (Caroline Stöss) hypnotisiert, das Lucy eigentlich beschützen sollte. Renfield, dessen Charakter von Ralf Keinath gekonnt durch den Wahnsinn von Besessenheit und Verwirrung manövriert wird, öffnet dem Grafen viele Türen, da ihm dieser das ewige Leben versprochen hat. Am Ende siegt selbstverständlich das Gute, als Dracula zwischen den Kreuzen von Doktor Seward, van Helsing und Harker gestellt wird, nicht mehr fliehen kann und sich beim ersten Sonnenstrahl in Rauch auflöst.

Alle Darsteller wurden nach dem letzten Vorhang vom Publikum euphorisch gefeiert. Wer die tolle Bühneninszenierung von Daniel Dawla verpasst hat, dem sei empfohlen, am 23. Juni zum Klubkino in die Muschel zum Film „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ zu kommen. Das Werk von Friedrich Wilhelm Murnau aus dem Jahr 1922 ist direkt an Dracula angelehnt und gilt als Mutter aller Vampirfilme. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei.

Übrigens hätte Bram Stoker als Herkunftsort des Vampirs um ein Haar gar nicht Transsylvanien, sondern die Steiermark gewählt. Fragt sich nur, ob der Graf dann auch im breiten Österreichisch auf die Jagd gegangen wäre…

Der rosa Campus

Mai 15, 2008 by janekrauhe

Mindestens einer von zehn Kommilitonen ist schwul. Genauso viele lesbische Studentinnen gibt es an der Uni. Der Campus ist schwuler und lesbischer, als man auf den ersten Blick denkt. Es gibt viele schwul-lesbische Veranstaltungen, Partys und Treffpunkte. Man muss nur genau hinschauen, dann entdeckt man diesen anderen Campus, diesen „rosa“ Campus.

Jeden zweiten und vierten Freitag im Monat findet die schwul-lesbische „Warm ins Wochenende“-Party im QKaff statt. Dort tanzen regelmäßig knapp 500 Schwule und Lesben. Die Organisatoren hinter der Party sind die Referenten des Schwulenreferats im Allgemeinen Studierenden Ausschuss (AStA). Axel Müller, 23, ist einer von ihnen. Er ist seit November vergangen Jahres Referent: „Wir Referenten wollen schwules Leben und schwule Kultur an der Uni sichtbar machen – z.B. mit schwulen Partys“. Aber nicht nur Partys bietet das Schwulenreferat an, sondern auch eine schwule Biblio- und Videothek sowie Vorträge zum Thema Homosexualität. Im letzten Semester wurde mit Experten aus der Wirtschaft über das Coming Out am Arbeitsplatz diskutiert. Dieses Semester steht ein Vortrag über Männergesundheit auf dem Programm. Mit den Vorträgen wollen die Referenten nicht nur homosexuelles Publikum ansprechen. Abschotten will man sich „auf keinen Fall“.

Axel Müller, Referent des Schwulenreferats„Wir sind die Anlaufstelle für schwule Studenten – das ist wohl unsere wichtigste Funktion“, meint Axel. Und gerade Studenten, die nicht aus der Region Mainz kommen, finden im Referat die Möglichkeit Anschluss an die schwule Szene in Mainz zu bekommen. Deshalb veranstaltet das Referat jedes Semester „eine schwul-lesbische Stadttour“ durch Mainz und hat den schwulen Stadtführer „Scout! – queer durch Mainz und Wiesbaden“ herausgebracht. „So hat jeder schwule Student einen Überblick über das schwule Leben hier“, meint Axel.

Das Referat soll schwule Studenten in allen Lebensbereichen beraten. Vor allem die Coming Out-Beratung war in den letzten Jahren die zentralste Aufgabe des Referats. Heute hat sich das gewandelt: „Wir haben kaum noch Coming Out-Beratungen, auch wenn wir sie immer noch anbieten. Fast alle, die zu uns kommen, sind bereits seit der Schulzeit geoutet“. Eine Entwicklung die Axel auf die veränderte Gesellschaft zurückführt. Homosexualität sei gesellschaftlich immer stärker akzeptiert. Und weil sich die Gesellschaft verändert hat, wollen die Referente „eher eine schwule Community an der Uni bieten“. Darum treffen sich jeden Mittwochabend Schwule im AStA und gehen anschließend gemeinsam weg. Jetzt im Sommer bietet das Referat einen Ausflug zum Christopher Street Day im Phantasialand – den Fantasypride – an. Die „rosa“ Campus hat für einen schwuler Mann in Mainz einiges zu bieten – vor allem durch das Schwulenreferat.

Die neuen Bachelor- und Masterabschlüsse: Der Abschied von Humboldts Idealen

Mai 15, 2008 by lenabassermann

 

Mehr Praxisnähe, internationale Mobilität und ein schnelleres Studium: Von der Umstellung der Studienabschlüsse auf Bachelor und Master können die Studierenden nur profitieren – glaubt man den Befürwortern der großen deutschen Hochschulreform. Eifrig bemüht sind die Universitäten des Landes, die Maßgaben, die 1999 mehr als 50 europäische Staaten im italienischen Bologna beschlossen haben, umzusetzen. Was früher Geschichte hieß, trägt nun mancherorts den Titel „General History“, Studienangebote werden eingedämmt und zusammengelegt – Umstrukturierung ist das große Stichwort. Und sie beeilen sich, die Verantwortlichen, denn der Zeitplan will eingehalten werden: 2010 soll der Bologna-Prozess abgeschlossen sein. Daran, dass dieses ehrgeizige Ziel erreicht wird, zweifeln jedoch mittlerweile nicht mehr nur noch die Kritiker.

Vor allem die möglicherweise an ein Bachelorstudium anschließenden Masterstudiengänge wurden bislang stiefkindlich behandelt. Wer nach drei Jahren die Universität als Bachelor verlässt und sich für einen Masterstudiengang einschreiben möchte, dem begegnet eine klägliche Auswahl. Der Grund: Den Hochschulen fehlen die Mittel für umfassende Masterangebote.

Nicht nur bei der Organisation der Reform werden Probleme deutlich. Es sind gerade Aufbau und Inhalt der Bachelor-Studiengänge, an denen sich die Verfechter des humboldtschen Humanismus stoßen. Als „Drama“ oder „Untergang der deutschen Universität“, als „Discount-Studium“ oder „kleine Rundreise durch die Uni“ bezeichnen Kritiker das Bachelor-Studium. Und ja, Wilhelm von Humboldt hatte sich das Studieren durchaus anders vorgestellt, als er 1810 die Berliner Universität gründete. Die stark reglementierten Bachelor-Studiengänge harmonieren nur wenig mit dem Ideal der Universität als Stätte der selbstständigen Wissensproduktion. Die Autonomie des Studiums muss wohl auf der Strecke geblieben sein – irgendwo in Richtung Bologna. Vom ersten Semester an zählen studienbegleitende Prüfungen für die Abschlussnote, da bleibt wenig Zeit um sich zu orientieren und sich mit dem Studentenalltag zu organisieren. Wer auf Bachelor studiert, muss wissen, was er will und das am besten vom ersten Tag an.

Humboldt propagierte einst die Einheit von Forschung und Lehre. Zeit zum Forschen haben Lehrende in Zukunft kaum mehr, das bleibt einem elitären Kreis vorbehalten, der nicht den enormen Verwaltungsaufwand bestreiten muss. Berge an Bürokratie sind nämlich ein weiterer Nebeneffekt der Reform.

Europaweite Vergleichbarkeit soll mit den neuen Hochschulabschlüssen erreicht werden. Außensteuerung also, die den Studenten bessere Chancen auf dem europäischen Arbeitsmarkt ermöglichen soll. Auch Humboldt träumte von einer solchen Homogenität, doch nicht durch Abkommen zwischen Politikern, sondern durch den inneren Dialog der Wissenschaft sollte die erreicht werden.

Fernab von Humboldts Idealen nähert sich der Abschluss des Bologna-Prozess an deutschen Universitäten dem Ende. Die Schwächen werden immer deutlicher. Zu hoffen bleibt, dass die Verantwortlichen diese erkennen und an ihrer Verbesserung arbeiten – damit die deutsche Hochschultradition 2010 nicht gänzlich „General History“ sein wird.

Noch mehr exzellente Forschung an der Uni Mainz

Mai 15, 2008 by lenabassermann

 

Interview mit Doris Ahnen, Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur in Rheinland-Pfalz

 

                        Das Graduiertenkolleg der Uni Mainz ist nun offiziell in die Exzellenzinitiative der Bundesländer aufgenommen. Was bedeutet das für die Johannes Gutenberg-Universität?

 

Doris Ahnen:   Für die Uni wird exzellente Forschung noch deutlicher sichtbar werden. Im Mittelpunkt steht hierbei die Nachwuchsförderung, was sehr gut für die Studierenden ist. Durch die Aufnahme in die Exzellenzinitiative wurde die Uni Mainz zu einem noch attraktiveren Standort.

 

                        Bis im Jahr 2010 soll an den deutschen Universitäten die Umstellung der Studienabschlüsse auf Bachelor und Master abgeschlossen sein. Auch die Uni Mainz arbeitet verstärkt daran, die Maßgaben der Ziele, die in Bologna vereinbart wurden, umzusetzen.

 

Doris Ahnen:   Die Umstellung ist notwendig, damit die rheinland-pfälzischen Universitäten auch in Zukunft international konkurrenzfähig bleiben. Dabei wurde darauf geachtet, die Vorzüge aus dem alten System zu übernehmen. Den Hochschulen des Landes ist das bisher gut gelungen.

 

                        Im Zusammenhang der Umstrukturierung der Studiengänge wird von vielen Seiten Kritik laut: Das System wandle sich von der Bildung zur Ausbildung, die Lehre werde zu verschult und der zunehmende Zeitdruck führe gar zu psychischen Erkrankungen. Wie denken Sie darüber?

 

Doris Ahnen:   Man sollte sehr vorsichtig damit sein, psychische Erkrankungen mit den Bachelor/Master-Studiengängen in Verbindung zu bringen. Es ist nicht einfach, eine vernünftige Balance zwischen der Struktur der Studiengänge und den konkreten Belastungen herzustellen. Meiner Ansicht nach ist uns das jedoch in Rheinland-Pfalz sehr gut gelungen.

 

 

 

Kendô - “Eintauchen in fremde Welten”

Mai 15, 2008 by Lenny Lennard

Wer auf der Suche nach einer Sportart mit vielen Facetten und Herausforderungen ist, sollte sich im Kendô versuchen. Das japanische Gegenstück zum Fechten erfreut sich seit dem Export vor mehr als 50 Jahren einer wachsenden Zahl an deutschen Teilnehmern, so auch im AHS Programm der Johannes Gutenberg Universität in Mainz.

Kendoschüler wird von der Shinai getroffenWer nun erwartet, dass man überschüssige Energie und Frust in Form von Schlägen wahllos auf den Gegenüber einprasseln lassen kann, hat weit gefehlt. Wie auch im Fechten bestimmen feste Regeln einen Kampf. Bevor man schließlich auf die Matte (jap. Shiajjô) geschickt wird, gilt es diese Abläufe bis ins Detail zu erlernen.

In vier verschiedenen Kursen lässt sich dieser „Weg des Schwertes“ (jap. Kendô) langsam beschreiten. Im Mittelpunkt des Trainings steht das Erlernen von Grund-, Konter- und Angriffstechniken. Aber auch der Aufbau von Ausdauer, Geschick, Konzentration, Reaktionsvermögen, Selbstdisziplin, Teamgeist und Verantwortung werden durch den Trainer (jap. Sensei) gelehrt und gehören zur Ausbildung dazu. Als Belohnung wartet am Ende des Weges ein geformter Körper mit gereifter Seele.

Alle Trainingsstunden beginnen, wie in jeder anderen Sportart auch, mit dem Aufwärmen. Der Sensei beobachtet seine SchülerNach kurzem Einlaufen und Dehnen steht „Kata“-Training an. In diesem Teil des Trainings stehen sich zwei Partner, die Lehrer und Schüler repräsentieren sollen, gegenüber. Im Gegensatz zum Wettkampf wird hier ohne Rüstung, dafür mit einem Holzschwert (jap. Bokutô), geübt. Nach der Begrüßung des Partners werden neun fest vorgeschriebene Aktionen bestehend aus Bewegungen und Schlägen mit finalem Aufschrei, ausgeführt, die Koordination und Treffergenauigkeit fördern sollen.

Danach geht es ans Eingemachte. Sobald alle Kendôschüler eine Technikübung von 400 kräftezehrenden Sprüngen samt Hieb und Schrei erledigt haben, wird nach kurzer Ruhe- und Meditationsphase, bei gefühlten 30°C, die Rüstung angelegt. Kendoschüler in voller AusrüstungNeben der „normalen“ Kleidung, bestehend aus Jacke (jap. Keiko-gi) und weiter Hose (jap. Hakama), wird nun ein weißes Kopftuch (jap. Tenugui) angezogen. Darüber wird die Maske (Men) gestülpt, Brustpanzer (jap. Do), Schurz (jap. Tare) und Handschuhe (jap. Kote) komplettieren die Rüstung und stellen gleichzeitig die vier verschiedenen Trefferzonen im Kampf dar (Kopf, Kehle, Handgelenk und Rumpf). Einmal fertig eingekleidet, gibt es kein Entkommen mehr. Die kleine Turnhalle auf dem Campus verwandelt sich in einen Ort, in dem die Schüler, unter strenger Beobachtung des Sensei und Ohren betäubendem Geschrei, in wettkampfähnlichen Situationen mit dem Shinai, einem 115 cm langen Bambusschwert, die Haltbarkeit der Rüstung des Partners testen. Spätestens in diesem Moment fühlt man sich wie in Mitten eines Martial-Art-Films – oder in einem Dojo in Japan.

Kleines Kendô-Lexikon:

  • Kendô: „Schwert-Weg“
  • Ken: Schwert
  • Tao: Lebensweg
  • Sensei: Lehrer/Meister
  • Shinai: Bambus-Schwert
  • Bokutô: Holzschwert
  • Keiko-gi: Jacke
  • Hakama: weite Hose
  • Tenugui: weißes Kopftuch
  • Men: Maske
  • Do: Brustpanzer
  • Tare: Schurz
  • Kote: Handschuhe
  • Dojo: Trainingsraum

Nützliche Links zum Thema:

Interview über den Sportkurs “Kendo”

Mai 15, 2008 by Zapp Brannigan

Interviewt wurde dazu Mathias Schmitt, Obmann für den Kurs des Allgemeinen Hochschulsports (AHS). Der 26-jährige ist aufgrund seiner vorhandenen Erfahrung, die dieses Amt fordert, zum dritten Mal zum ersten Ansprechpartner für den Sportkurs gewählt worden. Schon seit seiner Jugend wollte er Kendo betreiben, jedoch ließen dies die fehlenden Trainingsmöglichkeiten an seinem Wohnort nicht zu. Erst mit Beginn seines Biologiestudiums (aktuell 9. Fachsemester) konnte er anfangen, den Sport zu betreiben. Mittlerweile trainiert er seit vier Jahren und ließ sich innerhalb von drei Semestern als Anfänger-Trainer zum Übungsleiter ausbilden. Zurzeit leitet er neben seiner aktiven Teilnahme das Kendo-Training am Freitagmorgen.

Sascha: Mathias, für wen ist Kendo geeignet?

Mathias: Prinzipiell ist Kendo für Personen jeder Altersgruppe geeignet. Man sollte allerdings, wie bei den meisten Sportarten, so jung wie möglich mit dem Sport beginnen. Weltweit üben sowohl Frauen als auch Männer den Sport gleichermaßen aus. In Deutschland überwiegt allerdings der Männeranteil, wenn ich mich nicht irre.

S: Warum ist Kendo als Hobby empfehlenswert?

M: Gute Frage, damit habe ich mich selbst noch nicht eingehend auseinandergesetzt. Also, aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass Kendo sowohl den Körper als auch den Geist schult und einem hilft, seine Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Im Training wird von einem Disziplin, Durchhaltevermögen und Selbstüberwindung gefordert. Das überträgt sich auch auf andere Lebensbereiche. Ein Nachteil sind mit Sicherheit die relativ hohen Anschaffungs- und Unterhaltungskosten für die Ausrüstung. Ein „shinai“, ein Übungsschwert aus Bambus, kostet beispielsweise ab 25 Euro und hält je nach Qualität zwischen einer Trainingseinheit und mehreren Monaten.


S: Wie ist die Resonanz auf Kendo an der Uni?

M: Die Resonanz auf Kendo ist in den letzten Jahren mit teilweise über 20 Anfängern pro Semester relativ gut gewesen. Allerdings sind die Anfängerzahlen in den letzten beiden Semestern eher rückläufig gewesen. Viele Leute können sich unter Kendo nicht viel vorstellen und möchten den Kampfsport einfach mal ausprobieren. Dadurch haben wir eine relativ hohe Abbrecherquote. Aus meinem Anfängerkurs, der aus über 20 Anfängern bestand, trainieren heute noch aktiv zwei bis drei Personen.

S: Nimmt die Kendo-Gruppe an Wettkämpfen und Meisterschaften teil?

M: Wir nehmen regelmäßig an Turnieren und Wettkämpfen teil, sowohl national als auch international. Ein Überblick über unsere Erfolge kann unserer Homepage entnommen werden (www.kendo-mainz.de->Dojo->Erfolge). Einige unserer Kenshi haben auch schon mehrmals an der Deutschen Einzel- und Mannschaftsmeisterschaft teilgenommen.

S: Macht die Gruppe auch Vorführungen, wie zum Beispiel „Show-Kämpfe”, auf dem Campus oder richtige Wettkämpfe für die Öffentlichkeit?

M: Wir werden aller Wahrscheinlichkeit nach eine Vorführung auf dem AHS-Tag Ende Mai machen. Einige unserer Kenshi haben letzten Freitag eine Vorführung auf der Landesgartenschau gegeben. Vor Kurzem gab es einen Bericht vom SWR über Kendo und wir hatten ein Fernsehteam bei uns zu Gast.
Die Turniere in Deutschland sind immer öffentlich und jeder, der Interesse hat, kann diese besuchen.
Meines Wissens finden auf großen Veranstaltungen, wie dem Japantag in Düsseldorf, Vorführungen statt, bei dem der Sport der Allgemeinheit vorgestellt wird.
Show-Kämpfe gibt es, soweit ich weiß, nicht. Man muss hierbei auch beachten, dass es sich bei Kendo um einen Kampfsport handelt. D. h. es gibt bei den Kämpfen feste Regeln, wie bei anderen Sportarten auch, beispielsweise Judo oder Taekwondo, ganz im Gegensatz zu Kampfkunst- und Selbstverteidigungsarten wie „Wing Tsun“ oder „Krav maga“.

S: Vielen Dank!